Leitprojekt Entdecken, Verstehen, Anwenden und Tranferieren

Das EVAT-Projekt (Entdecken, Verstehen, Anwenden und Transferieren) ist ein Teilprojekt des Leitprojektes "Fachkräfte von morgen - heute begeistern". Im Rahmen des Strategischen Handlungsfeldes "Dynamischer Wirtschaftsraum" und des dortigen Fachthemas "Wirtschaft und Bildung / Fachkräftebedarf" soll es einen Beitrag zur Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs in der Metropolregion Hamburg leisten und die Attraktivität des Standortes Metropolregion Hamburg als "Lebenswerte Region" stärken.

EVAT-Projekt (Entdecken, Verstehen, Anwenden und Transferieren) , Teilprojekt des Leitprojektes Fachkräfte von morgen - heute begeistern, Metropolregion Hamburg

Es handelt sich beim EVAT-Projekt um ein MINT-Programm für Schulen, welches Schülern und Schülerinnen ab Klasse 5 (ab 10 Jahren) durch projektorientiertes Lernen und selbstständiges Gestalten helfen soll, ihr natürliches Interesse für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu bewahren und durch ihre wachsenden Kenntnisse auszubauen. Hierbei geht es zunächst darum, dass Schülerteams ab Klasse 8 im Rahmen von schulischen Wahlpflichtkursen projektorientiert Experimentierkisten in Kooperation mit einem Unternehmen entwickeln. Den Teams ist bekannt, dass sie diese Experimente (inklusive detailliertem Begleitmaterial/-Information) für Schüler ab Klasse 5 entwickeln.

Für die Unternehmen bietet sich die Chance, Berufsprofile frühzeitig an Schülerinnen und Schüler im praktischen Erleben heranzubringen und für MINT-Berufe zu werben. Darüber hinaus lernen sich Unternehmen und potentielle zukünftige Auszubildende bzw. Fachkräfte kennen und gegenseitig einschätzen. Dies erleichtert die spätere Suche und Auswahl geeigneter Partner im Berufsleben.

Das Leitprojekt soll einen innovativen Weg für die schulische und außerschulische Motivation für MINT-Themen in der Altersgruppe 10 bis 16 Jahre entwickeln und erproben: Das Konzept basiert auf der Grundidee "Erklären können – heißt verstanden haben" und der Überlegung, dass Kinder und Jugendliche sich eher von Menschen motivieren lassen, deren Altersunterschied zu ihnen nicht so hoch ist und die möglicherweise in der Pubertät sogar eher Leitfiguren darstellen als dies Lehrer oder Eltern sein können. Hierzu werden sich daher im ersten Jahr Schüler aus den Jahrgangsstufen 8/9 in Teams ein Projekt/Thema in enger Kooperation mit einem regionalen Partnerunternehmen erarbeiten. Anschließend wird jedes Team eine eigene Experimentierkiste entwickeln, welche aus verschiedenen Versuchen zu einem MINT-Thema besteht. Im folgenden Schulhalbjahr werden die Mittelstufenschüler deren Inhalt an Schüler aus der Jahrgangsstufe 5 vermitteln und weitergeben können.

Im zweiten Projektjahr soll eine neue Gruppe Achtklässler mit demselben kooperierenden Unternehmen weitere Experimentierkisten für die Klasse 5 entwickeln, während die bisherigen Achtklässler als Neuntklässler mit einem neuen Unternehmen Experimentierkisten für die Klasse 6 entwickeln sollen. Dies alles geschieht unter wissenschaftlicher und pädagogischer Begleitung. Die Anleitung der Lehrer sowie der Schüler aus den höheren Klassen erfolgt als pädagogische Begleitung durch das Projektmanagement. Damit würden in einem Zeitraum von zwei Schuljahren vier Klassenstufen von 5 bis 9 erfasst werden können. Anschließend soll das Projekt von einer wissenschaftlichen Einrichtung evaluiert werden.

Gerade in den frühen Jahren werden die Interessen für MINT geweckt oder aber auch verschüttet. Insbesondere in der Altersgruppe 10 bis 16 Jahre in der Sekundarstufe I kommen die Kinder und Jugendlichen in eine Phase (Pubertät), in der sie mit den Mitteln der Primarstufe – für die es verschiedene Angebote in der Metropolregion gibt – nicht mehr erreicht werden können. Selbst die Kinder, die von diesen Primarstufenprojekten profitiert haben, entwachsen diesen Projekten und verlieren das Interesse für die MINT-Themen, wenn keine vergleichbaren altersadäquaten Angebote zur Verfügung stehen. Die Angebote für die Sekundarstufe II, wie sie vielfach von Hochschulen in Kooperation mit Gymnasien entwickelt wurden, sind in ihrer Komplexität und Ausgestaltung für die Sekundarstufe I weniger geeignet und decken auch nicht den Themenkomplex eines möglichen Übergangs in das duale Ausbildungssystem ab.

Jugendliche in der Pubertät möchten sich durch eigene Ideen und Erfolge im Team entwickeln und ausprobieren können. Das zeigt sich durch die Wahl ihrer Freizeitbeschäftigungen: Sie nehmen an Turnieren in Sportmannschaften teil, treffen sich, um gemeinsam Computerspiele zu erobern, erste Kochergebnisse herbeizuführen oder sie gründen Musikbands und versuchen, musikalische Produkte zu erschaffen. Sie möchten eigene Erfolge erleben und nicht alles vorgegeben bekommen. Es ist zu erwarten, dass durch den Ansatz des projektorientiertem Arbeitens die Schüler eine höhere Motivation für MINT-Themen aufbringen und in ihre Projekte einbringen. Indem die Schüler sich unter Anleitung eines Lehrers ein breites, aktuelles Thema erarbeiten und gleichzeitig ein Unternehmen persönlich kennenlernen, werden sie befähigt selbst eigene Fragestellungen zu entwickeln. Diese können dann in Teams in sichtbare Projekte umgesetzt werden, wodurch die Schüler immer mehr Erfolge erzielen. Hierdurch werden in Konsequenz die Teammitglieder nicht nur von den Lehrern wahrgenommen, sondern avancieren zu Vorbildern für die jüngeren Schüler. Die älteren Schüler werden so selbst miterleben, wie das von ihnen erzeugte Produkt vom Verbraucher, dem jüngeren Schüler, akzeptiert wird. Sie erfahren eine ganz neue Art von Anerkennung und Feedback für ihre geleistete Arbeit.

Das EVAT-Projekt wird zeitgleich in drei norddeutschen Bundesländern entwickelt. Hierdurch soll trotz der föderalistischen Struktur Deutschlands gezeigt werden, wie einzelne Bundesländer über die Ländergrenzen hinweg ähnliche Projekte erfolgreich aufbauen und umsetzen können. Durch die Unterschiedlichkeiten in den Stundentafeln wird es jedoch auch Abweichungen in der Umsetzung geben. So werden in der Anfangsphase in Niedersachen anstelle der Klassen 8/9 in Schleswig-Holstein und Hamburg die Jahrgangsstufen 11/12 an dem Projekt teilnehmen. Hierdurch werden binnen zwei Jahren vier Schülerjahrgänge im MINT-Projekt gefördert und sechs Jahrgänge in der Durchführung evaluiert werden können.