Kulturlandschaften Vier- und Marschlande - Lebendige Kulturlandschaft

Im Südosten Hamburgs liegen die Vier- und Marschlande. Ihren Namen verdanken sie ihrem fruchtbaren Boden und den "Vierlanden", zu denen die ehemaligen Dörfer und heutigen Stadtteile Altengamme, Curslack, Kirchwerder und Neuengamme gehören. In den Vier- und Marschlanden werden vorwiegend Gemüse und Blumen angebaut. Die Landschaft ist geprägt von Wettern, Teichen und Kanälen. Die Stiefmütterchen im Frühjahr, die dann millionenfach die Vier- und Marschlande in ein leuchtendes Farbenmeer tauchen, gaben der Region ihre Farbe.

Vier- und Marschlande - Lebendige Kulturlandschaft

Die Vier- und Marschlande sind Hamburger Staatsgebiet und befinden sich dort, wo in Hamburg die Sonne aufgeht. Geformt durch die seit Jahrhunderten andauernde traditionelle Landbewirtschaftung hat sich hier eine einmalige Kulturlandschaft entwickelt. Feldentwässerungsmühlen und Reet gedeckte Hufnerhäuser sind noch heute Zeugen dieser Entwicklung.

800 Jahre Gemüseanbau

Die Vier- und Marschlande sind eine 800 Jahre alte Kulturlandschaft und liegen im Südosten Hamburgs im Bezirk Bergedorf. Sie sind mit der Eindeichung der Elbmarsch im 12. und frühen 13. Jahrhundert entstanden. Das Gebiet wurde in Marschhufen zu je 40 Morgen eingeteilt und in freier Erbleihe vergeben. Als Gegenleistung waren die Bauern dazu verpflichtet, die Funktionsfähigkeit der Deiche und Gräben zu erhalten. Zur Entwässerung der Flächen, aber auch zur Bewässerung der Felder wurden im 19. Jahrhundert vor allem Feldentwässerungsmühlen eingesetzt.

Für die nahegelegene Stadt waren die Vier- und Marschlande als wichtiges Lebensmittelanbaugebiet seit jeher von großer Bedeutung und verhalfen der Stadt Hamburg zur Selbstversorgung. Die Ernte wurde mit Vierländer Gemüseewern in die Innenstadt gebracht. Dieses lukrative Geschäft ließ die Bauern zu den reichsten in Norddeutschland werden. Dieser Wohlstand spiegelt sich noch heute in aufwendig gestalteten, historischen Hufnerhäusern wieder.

Die durch Entwässerungsgräben bedingte kleinteilige Struktur der landwirtschaftlichen Fläche eignete sich vor allem für den Gemüse- und Blumenanbau. So entwickelte sich die Kulturlandschaft bis in die 1960er Jahre zum größten geschlossenen Blumenanbaugebiet Deutschlands. Zu dieser Zeit erstrahlten weite Felder der Vier- und Marschlande im Frühjahr in intensivem Blau-Gelb.

Moderne Blumen-und Lebensmittelproduktion

Die nach wie vor bekannten „Vierländer Stiefmütterchen“ werden heute kaum mehr im Freiland an-gebaut. An ihre Stelle sind die F1 Stiefmütterchen unter Glas getreten, welche zu den meist verkauften Frühjahrsartikeln der Vier- und Marschlande zählen. Nach wie vor berühmt sind die Vierländer Maiblumen, die nur in dieser Region optimale Wachstumsbedingungen vorfinden und weltweit exportiert werden.

Die fruchtbaren Marschböden bieten beste Voraussetzungen für die Landwirtschaft und vor allem den Gartenbau. Produkte wie die Vierländer Tomate, Gurken, Salate, Erdbeeren, Schnittblumen, Topfpflanzen und Erzeugnisse aus der Milchviehhaltung, Schweine- und Rinderzucht werden konventionell und in Bio-Qualität hergestellt und sind auf den nationalen und internationalen Märkten zu finden. Bei der Rosenzucht haben die Vierländer die Nase vorn. So ist weitestgehend unbekannt, dass ca. jede 10. in Deutschland produzierte Schnittrose aus dieser von der Elbe geprägten Region stammt. Einen imposanten Eindruck hiervon bietet der Vierländer Rosenhof. 

Auf einer Fläche von knapp 11.000 Hektar sind derzeit rund 3.000 Arbeitskräfte in über 600 Betrieben der Grünen Branche tätig. Die hier produzierten regionalen Produkte werden auf den Hamburger Wochenmärken, dem Blumengroßmarkt, dem Obst- und Gemüsegroßmarkt sowie direkt beim Erzeuger vor Ort vertrieben.

Ein Besuch vor Ort: Hamburgs Grüner Garten

Vor den Toren der Stadt gelegen werden die Vier- und Marschlande gerne als „Grüner Garten Ham-burgs“ bezeichnet und bieten den Städtern ein vielseitiges Naherholungsgebiet, das gerne per Fahrrad, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes erkundet wird. Durch ihre Jahrhunderte andauernde Entwicklung sind die Vier- und Marschlande geprägt durch Elbaltarme, Kanäle und Beetgräben, Deiche, Reet gedeckte Hufnerhäuser, Treibhäuser und Mühlen. Es begegnen sich hier dörfliche Idylle mit weiten Feldern, ländlicher Kultur und dem größten Naturschutzgebiet Hamburgs. Auch zahlreiche Weißstörche haben hier ihr festes Sommerquartier gefunden.

Auf verschiedenen Kunsthandwerkermärkten und zahlreichen Gartenausstellungen der Gartenbaufir-men gibt es immer etwas zu sehen. Darüber hinaus lohnt sich ein Blick in die kulturhistorisch wertvol-len Kirchen, ganz besonders in die prachtvolle Kirche St. Nicolai in Altengamme.

Für aktive Erholungssuchende bieten die Dove-Elbe und die Gose-Elbe zahlreiche Möglichkeiten zum Rudern oder Paddeln. Auch Badegelegenheiten finden sich an den Elbarmen sowie an Badeseen. Hofläden, Hofcafés und Restaurants wie das am südlichsten Punkt Hamburgs gelegene „Zollenspieker Fährhaus“ laden mit regionaler Küche zum Rasten ein.

Der Weg in die Vier- und Marschlande

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

- ab Hbf Hamburg mit der S 21 Richtung Aumühle, Ausstieg Bergedorf, weiter ab Bahnhof Bergedorf mit der Buslinie 124, 222, 223, 225, 227, 228 oder 321

- ab ZOB Hamburg mit der Buslinie 124 oder 120 

Mit dem Auto:

- A1 bis Autobahn-Dreieck Hamburg-Südost, dann auf A25 in die Vier- und Marschlande

- A1 bis Ausfahrt Hamburg-Moorfleet

- Bundesstraße 404 über Geesthacht Richtung Altengamme

- Bundesstraße 5, dann Ausschilderung „Elbfähre“ folgen

Mit der Fähre:

- Anfahrt aus Richtung Süden über die A7, Abfahrt Thieshope, weiter über Stelle nach Hoopte zum Fähranleger. Pendelverkehr Hoopte-Zollenspieker-Hoopte alle 10 Minuten

Hilfreiche Links

Sehens- und Wissenswertes aus der Kulturlandschaft Vier- und Marschlande