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Metropolregion Hamburg stärkt Mobilität auf dem Lande

Im Projekt „Flexible Bedienformen“ entwickelt die Metropolregion Hamburg Alternativen für den öffentlichen Nahverkehr in ländlichen Regionen, um die Mobilität auf dem Lande bedarfs-orientiert sicher zu stellen. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Verkehr, Mobilität, Flexible Bedienformen, ÖPNV

Wie oft fährt der Bus zum nächsten Bahnhof? Wie können Menschen aus den Dörfern in die Städte kommen? Der Öffentliche Nahverkehr leistet einen wichtigen Beitrag zur Anbindung ländlicher Räume in der Metropolregion Hamburg. Nahverkehrsanbieter wie Städte und Kreise stehen vor zunehmenden Herausforderungen: Rückläufige Bevölkerungszahlen sorgen dafür, dass einerseits Fahrgastzahlen stetig sinken. Bedürfnisse nach barrierefreien Fahrzeugen für älter werdende Fahrgäste und flexiblere Arbeitszeiten lassen die Anforderungen an das ÖPNV-Angebot andererseits steigen. Begrenzte öffentliche Mittel und ehrgeizige Klimaschutzziele kommen als zusätzliche Aspekte hinzu.

So stellt sich die Frage, wie das Angebot in dünn besiedelten Regionen erhalten und weiterentwickelt werden kann, um eine angemessene Mobilität, Versorgungs- und Lebensqualität in der Metropolregion Hamburg zu gewährleisten. Eine Lösung können die so genannten „flexiblen Bedienformen“ durch Anrufsammeltaxis oder Anrufbusse sein. Hier finden Fahrten nur dann statt, wenn sich ein Fahrgast vorher angemeldet hat. Dieses Modell spart Kosten und bietet eine Beförderung nach Bedarf, zum Teil sogar bis vor die Haustür.

Ziel des Projektes ist es, die Einführung und Weiterentwicklung dieser Angebote in der Metropolregion Hamburg zu fördern. Daran arbeiten 18 kommunale Partner aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Hamburger Verkehrsverbund, der NAH.SH und der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen. Der Kreis Ostholstein hat als Projektträger die Federführung für das Leitprojekt. Mit einem Gesamtvolumen von über 560.000,- Euro wird es mit 448.000,- Euro zu 80 Prozent aus Mitteln der Förderfonds der Metropolregion Hamburg realisiert.

Insgesamt wurden 70 vorhandene Angebote unter verschiedenen Aspekten beleuchtet. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor:

In der Metropolregion Hamburg gibt es bereits 56 flexible ÖPNV-Angebote, - 90 Prozent dieser Leistungen werden im Auftrag der ÖPNV-Unternehmen von örtlichen Taxiunternehmen erbracht. Zusätzlich verkehren 14 auf ehrenamtlicher Basis betriebene Bürgerbusse – bis auf zwei Ausnahmen – meist im konventionellen Linienverkehr. Viele der eingesetzten Fahrzeuge sind derzeit nur eingeschränkt barrierefrei.

Das Auffinden der Angebote, die häufig nur in gedruckten Fahrplänen und an Haltestellenaushängen zu finden sind, ist nicht ganz einfach. Die Fahrten können derzeit telefonisch oder online zu einer Haltestelle bestellt werden und haben Voranmeldezeiten von bis zu einer Stunde. Buchung und Disposition der Fahrten liegen in der Regel nicht in einer Hand. Oft müssen auch Extra-Fahrscheine gelöst werden, da der örtliche ÖPNV-Tarif nicht gilt. Die verschiedenen Bezeichnungen der Systeme, wie AnrufBus, Anruflinientaxi, RufBus oder Anruflinienfahrt erschwert den Kunden zusätzlich die Orientierung im ÖPNV-Angebot.

Um die Attraktivität solcher Systeme zu erhöhen, ist eine weitergehende Professionalisierung und eine transparentere Gestaltung aus Fahrgastsicht erforderlich.

So lassen sich aus der Bestandsanalyse folgende Handlungsempfehlungen ableiten:

• Koordination und Organisation durch eine zentral verantwortliche Stelle.

• Verbesserung der Informationen über Fahrten und Fahrpläne sowie Integration in die Fahrplanauskunft

• Schaffung einer gemeinsamen Plattform zur Buchung, Disposition und Abrechnung mit vereinheitlichten Anmeldezeiten und Telefonnummern.

• Integration der Fahrten in die ÖPNV-Tarife

• Schaffung einheitlicher Mindeststandards an Barrierefreiheit der Fahrzeuge

Nun beginnt die zweite Phase: In einem „Werkzeugkasten“ werden aufbauend auf dieser Analyse Standards erarbeitet, die den Kommunen helfen sollen, technisch und organisatorisch hochwertige neue ÖPNV-Lösungen zu entwickeln. Einen wichtigen Raum wird auch die fachlich qualifizierte Beratung von Entscheidungsträgern auf der kommunalen bei der Einführung dieser neuen Verkehrsprodukte einnehmen.

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager zieht eine positive Zwischenbilanz: „Die Ergebnisse der Analyse und die bisherigen Erfahrungen der Akteure bieten eine Reihe von Ansätzen für eine weitere regionsübergreifende Optimierung der flexiblen Bedienformen im ÖPNV. Schon eine einheitliche Telefonnummer und Produktbezeichnung würde zu einer spürbaren Attraktivitätssteigerung der Systeme und damit zur Sicherung der Mobilität im ländlichen Raum führen“.

Mehr Informationen: http://metropolregion.hamburg.de/mobilitaet/

Rückfragen unter:
Metropolregion Hamburg
Marion Köhler
Pressesprecherin
Tel.: +49(0)40 42841 2604
E-Mail: presse@metropolregion.hamburg.de
www.metropolregion.hamburg.de

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