Wo einst der Spaten regierte Pietzmoor

Im südöstlichen Teil der Metropolregion Hamburg, am Rande der Lüneburger Heide in Niedersachsen, liegt das Pietzmoor. Jahrhundertelang wurde hier Torf abgebaut, was in der Landschaft sichtbare Spu-ren hinterlassen hat. Heute steht das Moor unter Naturschutz, sodass sich wieder ein einzigartiger Le-bensraum für Pflanze und Tiere entfalten kann.

Pietzmoor

Am Anfang stand die Eiszeit

Vor rund 10.000 Jahren bildeten eiszeitliche Bewe¬gungen eine Geländesenke, in der sich zahlreiche Quellen zu kleinen Quellmooren entwickelten. Diese Kleinmoore wuchsen zu einem großen Niedermoor zusammen. Im Laufe der Zeit stieg die Pflanzende¬cke aus Seggen und Torfmoosen in die Höhe, bis sie schließlich den Kontakt zum Grundwasser verlor. Seitdem werden die Pflanzen vom nährstoffarmen Regenwasser versorgt – ein Hochmoor entstand. Wieso wächst ein Moor? Seggen und Torfmoose sind von saurem Wasser umgeben, sodass Pilze und Bakterien das tote Pflanzenmaterial nicht zersetzen können. Es wird konserviert und das Moor wächst langsam, Schicht für Schicht. Diese pflanzlichen Überreste werden als Torf bezeichnet.

Pflanzen und Tiere als Lebenskünstler

Das Pietzmoor mit seinen nassen, sauren und nähr¬stoffarmen Böden ist ein extremer Lebensraum. Nur wer sich anpasst, kann hier überleben. Daher haben sich in der Tier- und Pflanzenwelt einige Hochmoor¬spezialisten herausgebildet. Mit etwas Glück wird eine Hochmoor-Mosaikjungfer vorbeiflattern, oder das leuchtende rundblättrige Sonnentau aus dem Torfmoosteppich hervorscheinen. In voller Blüte sind die kleinen Sonnentaupflanzen zwischen Juni und August zu bewundern.

Von Moorgeistern und Brenntorf

Einst waren Moore für den Menschen schaurige Orte, die mit gruseligen Sagen und Geschichten verbun¬den waren. Im 16. Jahrhundert veranlasste der Man¬gel an Brennmaterialien in der kargen Landschaft die Bauern der umliegenden Höfe dennoch dazu, in das Moor zu gehen und dort Torf zu gewinnen. So auch die Bewohner des Hofes Pietz, der dem Pietzmoor seinen Namen gab. Mit Spaten stachen sie rechtecki¬ge Soden aus dem Torf. Es entstanden sogenannte Torfstiche im Moor, welche heute als rechteckige, Wasser gefüllte Gruben sichtbar sind. Sie werden auch Pütten genannt. Zum Trocknen stapelten die Bauern den Torf zu Haufen auf. Der Schwarztorf wur¬de als Brennmaterial genutzt, der darauf liegende Weißtorf als Einstreu in Ställen.

Torfabbau

Erst die systematische Entwässerung des Pietzmoores im 19. Jahrhundert veränderte den Charakter des Moores nachhaltig, sodass es fast zerstört wurde. Das Moor wurde in unterschiedlich breite Parzellen aufgeteilt, in denen die Eigentümer – Bauern der umliegenden Höfe und Einwohner des benachbarten Ortes Schneverdingen – Torf abbauten. Angelegte Gräben entwässerten das Moor, die heute noch zu erkennen sind. Um 1960 endete jegliche Nutzung des Moores. Zu dem Zeitpunkt bestand die Fläche des Pietzmoores zu 20 % aus Torfstichen.

Renaturierung

Später bewahrte die private Heidschnuckenhaltung den offenen Charakter des Moores. Erst mit deren Ende im Jahr 1966 entwickelte sich ein Birken- und Moorkiefernwald auf dem Pietzmoor. Seit Anfang der 1970er Jahre wird das Pietzmoor renaturiert, wobei auch die Zeugnisse der früheren Nutzung sichtbar bleiben sollen. Zugleich wurde die Heidschnucken¬haltung wieder aufgenommen, sodass die leuchten¬de Heide im Spätsommer zu Wanderungen einlädt.


Pietzmoor

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