Wissen Kulturhistorische Entwicklung

Das Alte Land ist eine Landschaft von herausragender Bedeutung. Die Elbe, der Obstanbau, die Altländer Höfe und Kirchen, die Deiche und Gräben bestimmen das einzigartige Bild. dieser Landschaft, die seit dem 20. Jahrhundert im In- und Ausland als „Obstparadies“ wahrgenommen wird.

Kulturlandschaften, Natur erleben, Tagesausflug,

Das Alte Land ist ca. 170 qkm groß, etwa 30 km lang und maximal 10 km breit. Die Grenzen des Alten Landes sind im wesentlichen natürlich: Im Nordosten bildet der breite Mündungsarm der Elbe seine Abgrenzung, im Südwesten ein Moorgürtel, im Nordwesten die Mündung des Flusses Schwinge und die Stadt Stade.

 

Bereits im 12. Jahrhundert legten im Alten Land überwiegend niederländische Siedler eine planmäßig gestaltete, lineare Kulturlandschaft mit Streifenparzellierung an, die aufgrund dieser niederländischen Prägung auch als Cope- oder serielle Hollerlandschaft bezeichnet wird.  Die heutige Struktur des Wirtschaftsraums „Altes Land“ ordnet sich bis heute der ursprünglichen, im Hochmittelalter angelegten, linearen Struktur unter.

 

Die Altländer Marsch war vereinzelt bereits in der Steinzeit besiedelt. Der sumpfige Bruchwald des sogenannten Sietlandes war in dieser Zeit allerdings unbewohnbar. Das Überschwemmungsgebiet der Elbe wurde für extensive Viehwirtschaft und Holzschlag genutzt. Erst mit dem Bau der ersten Deiche im Kehdinger Land um das Jahr 800 beginnt die Einschnürung des Stromgebietes der Elbe und damit verbunden ein höheres Ansteigen des Wassers. In dieser Zeit werden die ersten noch niedrigen Wurten errichtet. Jede Hofstelle hatte direkten Anschluss an einen schiffbaren Priel oder Fluss und eine Anlegestelle für Boote. Ein Landwegenetz war nicht vorhanden.

 

Für die Urbarmachung wurden holländische Spezialisten und Siedlungsunternehmer engagiert. Die Bauern aus dem Alten Land lebten schon damals auf eigenem Land und waren entsprechend selbstbewusst und frei.

 

Obstbau

Bereits seit dem 14.Jh. ist der Obstanbau im Alten Land etabliert. Der Anbau von Obst im Alten Land ist durch das dortige spezielle Klima begünstigt. Durchschnittlich 730mm Niederschlag sorgen für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt, eine milde Jahresmitteltemperatur von 8,5°C, nur etwa 80 Tage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und rund 1.500 Sonnenstunden im Jahr machen den Obstanbau so weit im Norden möglich.

 

Heute werden an der Niederelbe mit dem Kerngebiet Altes Land 10.500 Hektar mit Obst bebaut und rund 300.000 Tonnen Äpfel im Jahr geerntet. Die Äpfel aus dem Alten Land mit Sorten wie Elstar, Jona Gold oder Golden Delicious gelten aufgrund dieser Klimaverhältnisse als besonders aromatisch. Neben Äpfeln werden südlich der Elbe auch Birnen, Kirschen, Pflaumen, Nüsse angebaut. Die Anbauflächen verteilen sich auf ungefähr 90% Äpfel, 6% Süßkirschen, die restlichen 4% machen Birnen, Pflaumen, Zwetschgen und Beerenfrüchte aus.

 

Pomologen, so heißen Apfelexperten, haben mehr als 4.000 unterschiedliche Sorten beschrieben. Die meisten davon sind sehr selten geworden, viele vom Aussterben bedroht. Umweltschützer und auf alte Sorten spezialisierte Apfelbauern versuchen, möglichst viel alte Apfelsorten – vor allem als Hochstamm - am Leben zu halten.. Dieser Aufgabe widmet sich unter anderem das BOOMGARDEN – PROJEKT. Dabei geht es nicht in erster Linie um Wirtschaftlichkeit sondern um den Erhalt der genetischen Vielfalt. Es scheint es dringend geboten, das vorhandene reiche genetische Potential der Sorten zu erhalten, um es eventuell später einmal züchterisch einsetzen zu können.

 

Obstanbau auf extensivem Mähgrünland wird als Streuobstwiese bezeichnet. Bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben auf solchen Streuobstwiesen, viele davon sind stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. So dienen die Wiesen etwa Orchideen, Fledermäusen und zahlreichen Schmetterlingsarten als wichtiger Lebensraum. Für den Naturschutz sind solche Flächen gerade in einem Ballungsgebiet wie Hamburg daher von unschätzbarem Wert.

 

Wussten Sie schon?

Wussten Sie, dass sich das Alte Land als UNESCO-Welterbe bewerben will? Zusammen mit vergleichbaren Landschaften in den Niederlanden und in Polen wird es sich dabei um eine serielle transnationale Nominierung handeln.

zurück zur Übersicht