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Das Naturschutzgebiet „Untere Seeveniederung“ befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Europas größtem Eisenbahnrangierbahnhof Maschen und erstreckt sich über ein Gebiet von ca. 500 ha. So technisch und gigantisch der benachbarte Rangierbahnhof ist, umso mehr besticht das angrenzende Naturschutzgebiet mit seiner vielfältigen Natur und einer bewegten, historischen Kulturlandschaft.

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Das Gebiet ist geprägt durch seine großflächige Grünlandnutzung. Durch die hohen Grundwasserstände haben sich größere Feuchtwiesenareale entwickelt. Im Jahr 1993 wurden große Teile zum Naturschutzgebiet erklärt.

 

Traditionelles Grünlandgebiet der Elbmarsch das bis heute als Mähgrünland und/oder Weide genutzt wird.  Der besonders große Bestand der seltenen und schönen Schachbrettblume sowie das Vorkommen von geschützten Wiesenvogelarten gab Anlass die Untere Seeveniederung 1993 zum Naturschutzgebiet auszuweisen.

Nach dem die Schachbrettblumen im Junkernfeld mit Intensivierung der Nutzung in den 1980er Jahren kurz vor dem Verschwinden stand und auch die Ausweisung als Naturschutzgebiet  nicht half, vereinbarte die Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg zusammen mit der Eigentümerin Domänenamt Stade strenge Nutzungsauflagen für die Landwirte. Keine Düngung, nur wenige Rinder pro ha und späte Mahdtermine halfen, den Bestand der Schachbrettblumen regenerieren zu lassen. Bei jährlich stattfindenden Zählungen kann ein positiver Trend beobachtet werden. Um die 2 Millionen Schachbrettblumenblüten verwandelten das Junkernfeld in diesem Jahr in ein lilafarbenes Blütenmeer.

 

Das Gebiet der Seevengeti entstand in 70er Jahren durch den Bau des benachbarten Rangierbahnhofes. Unbrauchbare, trockene und magere Böden wurden auf die Fläche gebracht. Es entstand eine knapp 10 ha große flache Erhebung am Rande des Steller Sees, welcher zur Sandgewinnung für den Bau des Rangierbahnhofes entstand. Dies alles förderte die Entstehung von Biotopen, die man eher in der Steppe als in der Marsch vermuten würde. Durch die extensive Beweidung mit robusten Rindern, die dornige trockene Pflanzen links liegen lassen, wurde eine Landschaft geformt, die Ähnlichkeiten mit der afrikanischen Serengeti hat.

 

In der Unteren Seeveniederung kann man zwei ganz besondere Naturschutzprojekte entdecken. Das Junkernfeld und die Seevengeti: Zwei Gebiete wie sie in ihrer Eigenschaft unterschiedlicher nicht sein könnten.

 

Ein Blütenreich für Schachbrettblumen – das Junkernfeld

Sie dachten bisher: „In der belebten Natur gibt es keine rechten Winkel?“ Im Junkernfeld, nur unweit von der Seevengeti entfernt, kann man sich im Frühjahr vom Gegenteil überzeugen. Zwischen Ende April und Anfang Mai beginnt hier die Schachbrettblumenblüte. Ein Meer aus 2 Millionen Blüten lockt Menschen aus der gesamten Metropolregion zum Bestaunen auf den eigens für dieses Naturschauspiel errichteten Schachbrettblumensteg. Ihre hängenden, matt purpurvioletten Blütenbecher sind kariert – meist sogar exakt und rechtwinklig. Dabei hat jede Blüte ihre eigene Zeichnung. Die Wiesen des Junkernfeldes beherbergen auf einer Fläche von 130 ha die größten Schachbrettblumenbestände der Bundesrepublik Deutschland. Hierfür ist sie nicht nur unter Botanikern überregional bekannt. Der das Junkernfeld umschließende ca. 6 km lange Fußweg lädt zum idealen Spaziergang ein. Und wer weiß, vielleicht kann man dabei auch den ein oder anderen seltenen Wiesenvogel entdecken?

 

Pflücken verboten…Bereits selten geworden, wurde die Schachbrettblume bereits 1936 vollständig und Naturschutz gestellt. Seitdem ist es unter Strafe verboten, sie zu pflücken oder auszugraben.

 

Das Seevengeti-Experiment

Das Wort Seevengeti setzt sich aus der Seeveniederung und Serengeti, der bekannten, ostafrikanischen Savannenlandschaft, zusammen. Am Westufers des Steller Sees, erstreckt sich das Weideprojekt der Naturschutzabteilung des Landkreises Harburg. Beim Bau des Rangierbahnhofes zwischen 1970 und 1977 wurden hier, am Ufer des Sees, unbrauchbare Sand- und Torfböden, aber auch reichlich Gestein, zu einer ca. 10 ha großen Erhebung aufgeschüttet. Die Fläche blieb anschließend der Natur überlassen und entwickelte sich in den Folgejahren zu einem vielfältigen Lebensraum mit zahlreichen Biotopen. Heute kann man hier von Frühjahr bis Herbst, von einer eigens errichteten Aussichtsplattform die Rinder eines örtlichen Landwirts auf den mageren und trockenen Flächen beobachten. Sie haben das Gebiet mit ihrem arttypischen Weideverhalten in kürzester Zeit in eine ausgedehnte Gras- und Savannenlandschaft verwandelt, auf der nur wenig bizarre Bäumen und Sträuchern wachsen. Eine echte Serengeti eben. Wer genau hinsieht kann von der Seevengeti-Galerie aus den seltenen Eisvogel beobachten.

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