Facharbeitsgruppe Tourismus 18. November: Tourismusgespräch 2019 in Lüneburg

In der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg kamen am 18.11.2019 rund 90 Vertreterinnen und Vertreter von Tourismusorganisationen, Städten, Gemeinden, Landkreisen und Unternehmen der Freizeit- und Tourismuswirtschaft zusammen, um über Herausforderungen und Lösungsansätze zur Gestaltung und Finanzierung von Tourismusaufgaben in Tourist-Informationen und Tourismusorten zu diskutieren.

Tourismusgespräch, Tourismus, Metropolregion Hamburg

Patrick Berger von der Deutscher Tourismusverband Service GmbH hat in einem zweistündigen Input über die „Tourist-Information der Zukunft“ einen Überblick über Möglichkeiten des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI), virtual reality (VR) und augmented reality (AR) berichtet. Deutlich wurde dabei, dass die Systeme (noch) nicht immer in Tourist-Informationen anwendbar sind. Insbesondere Kostengesichtspunkte spielen dabei eine Rolle. Gleichwohl können künstliche Intelligenzen bzw. die dahinter stehenden Datenbanken die stetig wachsenden Datenmengen strukturieren und so für Mitarbeiter*innen in der Beratung oder im digitalen Informationsangebot zielgruppengenau einsetzbar machen. Patrick Berger machte ebenso deutlich, dass die persönliche Beratung, ein ansprechendes Erlebnisdesign und technischer Support für Gäste durch qualifiziertes Personal und somit die Tourist-Information als zentrale Anlaufstelle notwendig bleiben. Auch wenn der virtuelle Informationsraum größer wird, brauche es eine zentral am Ort gelegene Einrichtung. Als zukunftsweisendes Beispiel setzt die 360° Tourist-Information in Eisenach nicht nur die Stadt sondern ganz Thüringen in Szene: über VR-Brillen sind touristische Highlights des Landes in der TI „erlebbar“, wodurch Besucher*innen zur Bereisung der virtuell gezeigten Orte animiert werden.
Der Vortrag von Patrick Berger machte darüber hinaus deutlich, dass technische Systeme leistungsfähig und permanent einwandfrei funktionieren müssen. Dazu bedarf es unter anderem geschultes Personal. Weiterer Finanzbedarf wird künftig zur digitalen Transformation, also zur gezielten Nutzung vorhandener Daten, benötigt.

Einblicke in die Finanzierung touristischer Aufgaben auf kommunaler Ebene gab Harald Zahrte, Samtgemeindebürgermeister Land Hadeln. Die östlich von Cuxhaven gelegene Samtgemeinde mit knapp 500.000 Gästeübernachtungen im Jahr hat Mitgliedsgemeinden mit teils erheblich unterdurchschnittlicher Steuerkraft. Für den touristischen Schwerpunktort Otterndorf („das Blankenese Cuxhavens“ wie Harald Zahrte mit einem Augenzwinkern erwähnte) müssen im Haushalt der Samtgemeinde erhebliche Mittel zum Betrieb und Unterhalt touristischer Infrastrukturen aufgewendet werden: für die Sole-Therme, die Spiel- und Spaßscheune, das Strandbad und den Campingplatz. Großes Interesse zeigten die Zuhörer*innen an der Frage, wie es gelingt, für die erforderlichen Finanzmittel politische Beschlüsse zu erwirken. Herr Zahrte wies auf die große Bedeutung des Tourismus als Standortfaktor hin. Kommunen, die keine Freizeit-  und Kulturangebote für Einheimische und Gäste vorhalten, verlieren erheblich an Lebensqualität und werden in ländlich-peripheren Lagen Schwierigkeiten bekommen, dem demographischen Wandel entgegenzuwirken.

Harald Ottmar, Leiter der Facharbeitsgruppe Tourismus, berichtete in einem Überblick über Ergebnisse des OECD-Berichts, der im September 2019 für die Metropolregion Hamburg veröffentlicht wurde.

Tanja Blätter von der Geschäftsstelle der MRH informierte über die aktuell laufende Tagestourismuskampagne unter dem #einfachmalraus und forderte die Anwesenden auf, sich mit den Kanälen der Metroolregion zu vernetzen. Die Kampagne läuft erstmalig auch über den Winter, weil Tagesausflüge zunehmend auch im Winterhalbjahr stattfinden.

Claudia Koops zeigte die Kooperationsmöglichkeiten in Leitprojekten der Metropolregion Hamburg auf und wies auf das Beratungsangebot der Facharbeitsgruppe Tourismus bei der Entwicklung von Leitprojekten hin.

Anett Bierholz vom Verband mecklenburgische Ostseebäder stellte das Inhaltskonzept des künftigen Leitprojektes „MRH.Gemeinsam International“ vor. Die aus dem Vorgänger-Leitprojekt vorhandene Wissensplattform www.logbuchinternational.de zur Verbesserung der Angebots- und Servicequalität für internationale Gäste wird ausgebaut und es sind sogenannte hop-on-hop off-Touren zu best-practice Angeboten geplant. Neu wird im künftige Leitprojekt die Partnerschaft mit den vier Landestourismusorganisationen Hamburgs, Mecklenburg-Vorpommerns, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins sein, wodurch qualifizierte Produkte in ausländische Quellmärkte „mitgenommen“ werden.

Das nächste Tourismusgespräch wird im Herbst 2020 in Bad Oldesloe stattfinden.

Ansprechpartnerinnen: Tanja Blätter, Claudia Koops