Zukunftsagenda

Sie lesen den Originaltext

Vielen Dank für Ihr Interesse an einer Übersetzung in leichte Sprache. Derzeit können wir Ihnen den Artikel leider nicht in leichter Sprache anbieten. Wir bemühen uns aber das Angebot zu erweitern.

Vielen Dank für Ihr Interesse an einer Übersetzung in Gebärden­sprache. Derzeit können wir Ihnen den Artikel leider nicht in Gebärdensprache anbieten. Wir bemühen uns aber das Angebot zu erweitern.

Räumliches Leitbild 2045 - Kompass für die Zukunft

Die Metropolregion Hamburg (MRH) ist eine vielfältige und dynamische Region. Sie bietet einzigartige Naturerlebnisse, ist internationales Drehkreuz und Wirtschaftsmotor des Nordens und die Heimat von über 5 Millionen Menschen. Die MRH prosperiert, spürt jedoch den starken internationalen Wettbewerbsdruck Die MRH hat sich als erste deutsche Region einer kritischen Betrachtung durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestellt. Die OECD beleuchtet in dem Gutachten, wie die MRH im internationalen Vergleich in Bereichen der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit aufgestellt ist. Basierend auf den von der OECD im Herbst 2019 vorgelegten Empfehlungen hat die MRH mit ihrer Zukunftsagenda konkrete Projekte entwickelt, die dazu beitragen sollen, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken, Produktivitätspotenziale zu heben, einen beschleunigten Wachstumspfad einzuschlagen und die Lebensqualität der in der Region lebenden Menschen zu steigern. Die OECD attestiert der MRH eine „Fragmentierung“, die sich auch aus dem Umstand ergibt, dass im Metropolraum vier Bundesländer aufeinandertreffen. Fragmentierung wirkt sich, so konnte die OECD belegen, negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität aus.

08_Räumliches_Leitbild_photocase_818893_(c)_ad.unger_photocase.de
© ad.unger / photocase.de

Die MRH hat daher in einem intensiven Dialogprozess als eines der Projekte der Zukunftsagenda gemeinsam ein Räumliches Leitbild entwickelt, um die attestierte Fragmentierung abzumildern. Das Räumliche Leitbild weist die Richtung in eine dynamische, resiliente, souveräne und vernetzte Zukunft. Es reagiert auf regionale und globale Transformationsprozesse, die die Region vor große Herausforderungen stellen werden. Es zielt darauf ab, diese Dynamiken durch Innovation, Kooperation und die Nutzung der teilräumlichen Standortvorteile zu lenken, zum eigenen Vorteil zu nutzen und zur Gewährleistung gleichwertiger Lebensverhältnisse beizutragen. 

Nur durch die gemeinsame Umsetzung der Vision können wir sicherstellen, dass die MRH auch in Zukunft eine starke Position im nationalen und internationalen Wettbewerb einnimmt und ihre Rolle als dynamische, vernetzte und lebenswerte Region behalten und aktiv ausbauen kann. Durch Kooperation auf allen Ebenen sollen neue Dynamiken entfacht und gesteuert werden. Dabei wird Dynamik mehrdimensional, etwa im Sinne von Entwicklung und Anpassungsfähigkeit verstanden:

  • die MRH reagiert dynamisch auf die Klima- und Biodiversitätskrise und entwickelt Anpassungsfähigkeit und Resilienz in einem Grünen Netz, das die starken Landschaften miteinander verbindet. Sie geht sorgsam mit den naturnahen Landschaften, Böden und Ressourcen der Region um. Sie gestaltet dabei vielfältige und starke Lebensräume für Mensch und Natur. Dabei stehen Umwelt- und Klimaschutz nicht im Gegensatz zu wirtschaftlicher Entwicklung, sie werden vielmehr zusammengedacht, um Synergien zu nutzen. Leitgedanke hierbei sind die multitalentierten Räume.
  • die MRH wird durch ein vielfältiges Mobilitätsangebot und einen Ausbau der Infrastruktur besser vernetzt – sowohl im Inneren als auch nach außen. Dies umfasst den Erhalt und die qualitative Aufwertung der bestehenden Infrastruktur sowie den Ausbau starker Expressrouten und regionaler Ring- und Querverbindungen für den schienengebundenen Personenverkehr und darüber hinaus wesentliche Schlüsselprojekte des multimodalen Infrastrukturausbaus im Personen- und Güterverkehr. Dadurch baut die MRH ihre strategische Position als Drehscheibe für Menschen und Waren im globalen und europäischen Kontext systematisch aus.
  • die MRH profitiert von neuen ökonomischen Dynamiken, die sich aus der günstigen naturräumlichen Lage für die Erzeugung sowie der Einfuhr grüner Energie und der Verbindungsfunktion der MRH ergeben. In der MRH werden bestehende Innovationsmotoren weiterentwickelt und neue wirtschaftliche Dynamiken in der gesamten MRH sowie durch starke regionale Kooperationen in Perspektivräumen geschaffen.
  • in der MRH wird zukunftsfähiger, bezahlbarer und kompakter Wohnraum mit hoher Qualität für ihre Bewohner/-innen entwickelt und qualitativ hochwertig ausgestattete Flächen für ökonomische Entwicklung bereitgestellt. Die Teilräume schaffen Angebote für die Vielfalt der Nachfragegruppen und gehen mit dem verstärkten Zuzug von Personen aus dem In- und Ausland sowie Geflüchteten um. Die MRH ist dynamisch, handlungsfähig und reagiert mit Weitblick auf die Anforderungen an die regional teils sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

Der Regionsrat der Metropolregion Hamburg hat das Räumliche Leitbild am 14. Mai 2024 beschlossen. Aktuell setzen wir die letzten Änderungen im Text und Kartenwerk um. Sie werden das Leitbild voraussichtlich ab Mitte Juli hier herunterladen können. Wenn Sie sich hier eintragen, erhalten Sie eine E-Mail von uns, wenn das Räumliche Leitbild zum Download bereitsteht. 

Der Weg zum Räumlichen Leitbild für die Metropolregion Hamburg

Das Zukunftsagendaprojekt „Räumliches Leitbild“ ging der Frage nach, wie die Metropolregion Hamburg im Jahr 2045 „aussehen“ soll.  Gemeinsam mit Vertreter/-innen aus Politik und Verwaltung wurden Strategien für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Metropolregion entwickelt. Diese Strategien sollen auf die klassischen Themen der Raumplanung (Siedlungs-, Freiraum-, und Infrastrukturentwicklung) eingehen und dabei zukunftsweisend die Herausforderungen und Chancen der Metropolregion bis ins Jahr 2045 mitdenken.

Das Räumlichen Leitbild für die Metropolregion Hamburg entstand in einem breit angelegten kooperativen, regionalen Planungs- und Dialogprozess. Gemeinsam mit den Akteuren in der Region wurde überlegt, wie Siedlungs-, Freiraum- und Infrastrukturentwicklung auf die derzeitigen Trends und Herausforderungen reagieren können. Mit dem Räumlichen Leitbild wurde ein programmatisches, zukunftsweisendes und informelles Planungsdokument erarbeitet, das die aktuelle Gebietskulisse der Metropolregion mit ihren funktionalen Verflechtungen in allen für die Raumentwicklung relevanten Dimensionen abbildet. Als informelles Planungsinstrument inspiriert das Räumliche Leitbild und zeigt Möglichkeiten für die Zukunft auf. Durch die Erarbeitung des Räumlichen Leitbildes ist die Zusammenarbeit im Bereich Siedlungs- und Raumentwicklung in der Metropolregion Hamburg gestärkt worden.

Projekthintergrund

Schon der Vorgänger des jetzt angestrebten Räumlichen Leitbildes, das Regionale Entwicklungskonzept 2000 (REK 2000) war ein trilaterales und interkommunal erarbeitetes, rechtlich nicht verbindliches Konzept. Seit dem REK 2000 hat sich die Metropolregion nicht nur räumlich verändert, sie sieht sich auch neuen Herausforderungen gegenüber, die eine „regionale Resilienz“ erfordern. Schließlich hat auch die Corona-Pandemie zu neuen Anforderungen an die Wohn- und Arbeitswelt geführt, die sich beispielsweise durch andere Pendlerverflechtungen und gegebenenfalls auch sich verlagernden Wohnraumbedarf bemerkbar machen. Hinzu kommen weitere Zukunftsherausforderungen für die Metropolregion, die mit der Digitalisierung, Energiewende, dem Klimawandel, demographischer Wandel und den Folgen des Krieges in der Ukraine zu tun haben.

Dies führt zu der Frage, wie die Metropolregion in einigen Jahren oder Jahrzehnten „aussehen“ soll. Wie und wo wollen wir leben, arbeiten und uns erholen? Wo soll es Entwicklungsschwerpunkte geben? Welche Rolle nehmen dabei Klein- und Mittelstädte ein? Welche verkehrlichen Maßnahmen werden erforderlich sein? Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Region aus? Wo müssen Erholungs- und Landwirtschaftsflächen geschützt werden? Erste Antworten darauf und auf viele weitere Fragen soll das Räumliche Leitbild geben, in möglichst anschaulicher und kompakter Form.

Projektablauf

Aufgrund der Vielfalt an möglichen zukünftigen räumlichen Entwicklungen war das Projekt in zwei Phasen organisiert: Zunächst wurden in einem freundlichen Wettbewerbsverfahren unterschiedliche Entwicklungstrends und -strategien aufgezeigt (1. Phase von Mai 2022 bis Februar 2023). Dabei sorgte das Wettbewerbsformat für mutige, provokative und visionäre Beiträge für die zukünftige Entwicklung der Metropolregion. Mit Abschluss der ersten Phase war das Projekt in der 2. Phase (März 2023 bis April 2024) getreten, in der aus den Ideen der ersten Phase ein Räumliches Leitbild in enger Abstimmung mit den Trägern der Metropolregion Hamburg entstand. Inhaltlich waren die Planungsbüros Reicher Haase Assoziierte, Urbanista, und RABE Landschaften damit beauftragt, das Räumliche Leitbild im Dialog mit der Region zu entwerfen.

Der Dialogprozess

Der Dialogprozess diente vor allem dazu, die planungsrelevanten Akteure in der Region aktiv zu beteiligen. Im Sinne einer kommunikativen Planung wurde das Räumliche Leitbild mit den Akteuren in der Region gemeinsam entwickelt. Zu den Akteuren gehörten Raum- und Regionalplaner/-innen der Träger der Metropolregion, politische Entscheidungsträger/-innen und Fachleute aus den Verwaltungen, Vertreter/innen regionaler Umwelt- und Verkehrsverbände sowie Experten aus der Wissenschaft und von Behörden bzw. öffentlich getragenen Infrastrukturunternehmen.

Im Rahmen des Dialogprozess fanden in der ersten Phase zwei Konferenzen, vier Fachwerkstätten und zwei Länderaustauschtermine statt. Den Kick-Off des Dialogprozesses bildete die Auftaktkonferenz im Juni 2022 in den Mediadocks in Lübeck (Dokumentation hier). Im Rahmen eines World-Cafés konnten die 140 Teilnehmenden ihre Belange in den Prozess einbringen. Darauf aufbauend erstellten die Büroteams erste Entwürfe, die sie auf vier Fachwerkstätten im November 2022 der Fachöffentlichkeit zur Diskussion stellten. Die Fachwerkstätten hatten vier thematische Schwerpunkte: (1) Freiraum & Klima, (2) Energie & Nahrung, (3) Ökonomie & Infrastruktur, und (4) Siedlung & Mobilität.
Mit dem Feedback aus der Region hatten die Büros ihre Entwürfe dann weiterentwickelt und auf der Zwischenkonferenz im Februar 2023 im Kloster Zarrentin aus ihrer fachlichen Perspektive Entwicklungsstrategien für die Metropolregion Hamburg vorgeschlagen. Die Entwicklungsstrategien der beiden Büroteams  wurden im Frühjahr 2023 in einem breit angelegten Beteiligungsprozess durch die Träger und Gremien der MRH sowie der Fachöffentlichkeit kommentiert. Diese Änderungen wurden bis zu einer Konferenz im Dezember 2023 in der Lüneburger Ritterakademie  durch die Planungsbüros umgesetzt, um zu einem von der Region tragbaren Räumlichen Leitbild zu gelangen.

Im Anschluss an die Lüneburger Konferenz begann die dritte Projektphase, in der alle Träger der Metropolregion Hamburg letztmalig die Gelegenheit hatten, Stellungnahmen einzureichen. Die Rückmeldungen aus diesen Stellungnahmen flossen dann in das finale Räumliche Leitbild des Planungsbüros Reicher Haase Assoziierte ein, das am 14. Mai 2024 dem Regionsrat der Metropolregion Hamburg zum Beschluss vorgelegt wurde.