OECD Bericht zur Regionalentwicklung Metropolregion Hamburg OECD-Studie - eine große Chance für die Metropolregion Hamburg

"Unsere Aufgabe als Unternehmensbeirat muss es sein, alle Akteure immer wieder an die in der OECD-Studie aufgezeigten Chancen zu erinnern und daran, dass wir diese nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfen!" Lutz Bethge, Vorsitzender Unternehmensbeirat

OECD Regionalentwicklung MRH

"Die Metropolregion Hamburg (MRH) hat im letzten Jahr unter Beteiligung der Wirtschaftsverbände und Sozialpartner als erste deutsche Metropolregion Deutschlands eine Studie zur Regionalentwicklung durch die OECD (Organisation of Economic Cooperation and Development) durchführen lassen. Ziel der Studie ist es, im Vergleich mit anderen Metropolregionen im In- und Ausland Anregungen zu erhalten, welche Veränderungen und Prozesse notwendig sind, um auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich zur bleiben und als Region noch stärker zu werden. Die OECD, die weltweit seit vielen Jahren diese Analysen durchführt, zeigte sich hier als idealer Partner.

Das Ergebnis bringt wichtige Erkenntnisse. Auch wenn die MRH wirtschaftlich erfolgreich ist (fünftgrößter Beitrag zum BIP von elf Regionen und viertgrößtes Pro-Kopf-BIP), starke Industriecluster vorweist und bedeutende Forschungsinstitute beheimatet (European XFEL und DESY), so wird doch das Wachstumspotential der MRH nicht voll ausgeschöpft. Im Vergleich zu anderen deutschen Regionen, insbesondere zu den Regionen Süddeutschlands ist das Pro-Kopf-BIP der MRH in den Jahren 2005 bis 2015 am schwächsten.

Folgende Gründe werden im nun vorliegenden Bericht zur Regionalentwicklung genannt:

* zu starke Fragmentierung (vier Bundesländer mit entsprechenden Verwaltungsgrenzen, 12 (Land-)Kreise, drei kreisfreie Städte und mehr als 1.000 Städte und Gemeinden mit unterschiedlichsen Strategien

* geringer Anteil der Beschäftigten mit tertiärem Bildungsabschluss (14,4%)

* zu geringe Ausgaben für Forschung und Entwicklung (0,8%, EU-Zielwert 3 %)

* fehlende Koordinierung bei der Clusterentwicklung

* zu geringe Innovationsleistung

* zu wenig Abstimmung der Forschung  auf wirtschaftliche Erfordernisse

* stärkerer Ausbau des HVV wäre notwendig, um wirtschaftliche Integration zu fördern

* fragmentierte Raumplanung führt zu Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage am Wohnungsmarkt

Die Empfehlungen der OECD sind dann auch eindeutig: Wir müssen noch stärker zusammenarbeiten! Die langjährige Kooperation der vier Bundesländer hat viele wirtschaftliche Erfolge für die MRH erzielt, ist aber noch nicht ausreichend, um im globalen Wettbewerb mit in- und ausländischen Metropolregionen auch in Zukunft bestehen zu können. Dafür bedarf es einer klaren Änderung in der Strategie: "Think Big" und "Act Big" hat uns die OECD mit auf den Weg gegeben und empfiehlt eine Abkehr von Wettbewerb gegeneinander auf lokaler Ebene und Intensivierung der Kooperation in den vier Bundesländern. Arbeitet zusammen, entwickelt gemeinsam Industriecluster, erarbeitet eine integrierte regionale Innovationsstrategie und legt eure Ressourcen zusammen! Vielleicht sogar über Ländergrenzen hinaus, wenn man beispielsweise an die Achse Kopenhagen-Malmö-Göteborg-Oslo denkt. Weiterhin empfiehlt die OECD einen "Urgent Shift" und rät damit zu schnellem Handeln, bevor Wettbewerbsvorteile wie zum Beispiel im Cluster Erneuerbare Energien an andere Regionen verloren gehen.

Ministerpräsident Stephan Weil betonte auf der Regionalkonferenz am 23. September 2019 bei der Vorstellung der OECD-Studie, dass die Erneuerbaren Energien die Basis der Energiewende seien und unsere Region eine große Chance habe, in diesem Bereich mit Windenergie und Wasserstoff eine der global führenden Regionen zu werden. Im Rahmen der Podiumsdiskussionen wurde deutlich, dass die vier Länder nun gemeinsam Ressourcen, Personal und finanzielle Mittel bündeln müssen, um die Empfehlungen der OECD mit Leben zu füllen und in die Tat umzusetzen. Diese gelte es möglichst durch eine gemeinsame Koordinierungsstelle umzusetzen, um sinnvoll in die Stärkung und den Ausbau des Clusters Erneuerbare Energien zu investieren. Und dieses gemeinsame Handeln darf nicht auf das Cluster Windenergie und Wasserstoff beschränkt bleiben.

Die OECD hat dazu folgende weitere Empfehlungen gegeben:

* Entwicklung einer integrierten regionalen Innovationsstrategie, eventuell mit einer Innovationsagentur, die die Fördermittel der EU und die Mittel und Ressourcen der vier Bundesländer bündelt und zielgerichtet einsetzt

* gemeinsame Strategie für die Industriecluster, die von allen vier Bundesländern verfolgt werden

* bessere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft

* gemeinsame Investitionen in Humankapital und Bildung

* Chancen der Digitalisierung nutzen, Mobilfunk 5G, ITS Weltkongress 2021

* Förderung intelligenter Verkehrssysteme

* Regionale Wohnungsbau- und Verkehrsplanung gemeinsam verbessern

* Vermarktung der Region durch gemeinsame Marketing-Kampagnen (Aufzeigen der Vielfalt)

Nicht alle Empfehlungen werden sich sofort oder zur Gänze umsetzen lassen. Aber es sollten jetzt von oberster Landesebene gemeinsame Vorgaben gemacht werden, wo man Potential für die Umsetzung gemeinsamer Projekte sieht. Das darf sich meines Erachtens nicht mit dem Thema Erneuerbare Energien erschöpfen. Nur wenn sich die Landesregierungen jetzt einigen, welche Themenfelder gemeinsam angegangen werden sollen, werden wir die großen Chancen, die die OECD-Studie benennt, auch für unsere Region nutzbar machen können. Nur dann werden wir auch in Zukunft eine wirtschaftlich erfolgreiche und wachsende Region bleiben, die den hier lebenden 5,3 Millionen Menschen eine lebenswerte Umwelt mit guter Infrastruktur, guter Bildung und Berufsmöglichkeiten, umfassenden Sozialleistungen und bezahlbaren Wohnraum bietet." 

Stellungnahme von Lutz Bethge, Vorsitzenden des Unternehmensbeirats der Metropolregion Hamburg