Wissen Kulturhistorische Entwicklung

Die Haseldorfer Marsch liegt im Kreis Pinnenberg nordwestl. von Wedel elbabwärts zwischen der Pinnau und der Elbe. Hier ist eines der größten binnenländischen Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein zu finden, dem Naturschutzgebiet Haseldorfer Binnenelbe mit Elbvorland. Ein Gebiet mit tideabhängiger und eingedeichter Flusslandschaft. Graureiher und Kormorane brüten hier mit bis zu jeweils 300 Brutpaaren und es gibt eine einzigartige Natur mit einem Süßwasserwatt zu entdecken.

Kulturlandschaften, Natur erleben, Tagesausflug, Knick

Erste Nachweise von Siedlungen stammen aus dem 12. Jahrhundert. In der wechselvollen Geschichte der Marsch wurden ab dem 13.Jahrhundert Deiche gebaut (umfangreiche Bauten ab 1715), aber auch das Land von schweren Sturmfluten immer wieder heimgesucht (1248, 1532, 1745, 1976). Die Kultivierung ist heute noch an den Grüppen, Gräben und Wettern, die Teil des Entwässerungssystems sind, nachzuvollziehen. 

 

In der wechselvollen Geschichte Schleswig-Holsteins war die Haseldorfer Marsch immer der Bereich der Gutsherrschaft Haseldorf, das heute noch vorhandene klassizistische Herrenhaus Haseldorf wurde 1804 errichtet . Es wird von einem schönen Park umgeben, mit vielen alten besonderen Bäumen. Die Siedlungen in der Haseldorfer Marsch sind zunächst alle auf Wurten angelegt gewesen. Wurten sind eiszeitliche Dünen oder Sandhügel, die die Menschen zusätzlich für ihre Siedlungsaktivitäten erhöhten. Der Begriff „Horst“ in den alten Siedlungsnamen Bishorst, Hohenhorst und Eekhorst weist darauf hin, dass die Häuser auf mit Gehölzen bewachsenen Hügeln errichtet worden sind.

 

In Haseldorf und Haselau sind die ältesten Kirchen in den Elbmarschen. Die Kirche und der Ort von Bishorst sind durch Sturmfluten beschädigt und untergegangen. Mit der Anlage von befestigten Verkehrswegen und Brücken, z.B. der Klevendeicher Drehbrücke aus dem Jahr 1887, wurde die Marsch für den Verkehr erschlossen.

 

Am Deich in Haseldorf blühen jedes Jahr wilde gelbe Tulpen. Es handelt sich um Tulipa sylvestris, auch Weinbergtulpe oder Waldtulpe genannt, eine ganz besondere duftende Wildtulpenart, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Man vermutet, dass Samen dieser Art mit Schiffen aus der Ukraine nach Haseldorf gekommen sind und diese sich dann auf dem Deich vor der Mühle aussäten. Auch eine andere botanische Besonderheit ist in der Haseldorfer Marsch heimisch: Bei Hetlingen befindet sich eines der größten Schachblumenvorkommen Norddeutschlands. Zu ihrer Blütezeit wird ein Schachblumenfest veranstaltet.

 

Nahe bei der Ortschaft Haseldorf können Besucher und Besucherinnen einen arten- und sortenreichen Obstgarten besichtigen. Hier  stehen über 180 verschiedene, alte, lokale Obstsorten von Äpfeln, Pflaumen und Birnen, die heute nicht mehr im Handel sind. Durch die Pflanzung von Halbstamm-Bäumen wird der ursprüngliche Charakter der Obsthöfe in den Elbmarschen erlebbar. Die Obstbäume werden gepflegt und die Obstwiese mit Schafen extensiv beweidet. Als Naturerlebnisraum ist der Garten jederzeit zugänglich, das Obst darf für den eigenen Bedarf in kleinen Mengen gepflückt werden.

 

Seit 250 Jahren ist die Gemeinde Hetlingen ist als sogenanntes Bandreißerdorf bekannt.. Hier wurden aus entbasteten, aufgespaltenen und gebogenen Weidenzweigen Fassberingungen hergestellt. Die dafür nötigen Bandholzkulturen  mit Korbweiden boten ein typisches Bild des Vordeichlandes.

 

Eine Bandreißer-Gruppe des Kulturvereins Hetlingen zeigt noch heute das alte Handwerk. Im Zwischendeichgebiet wurde eine Bandholzplantage neu angelegt. Die hier gezogenen Weidenstöcke werden alle 2 Jahre geschnitten und im Rahmen von Informationsveranstaltungen wird mit diesem Naturmaterial gezeigt, wie aus den Weidenstöcken Fassreifen hergestellt werden.

 

Wussten Sie schon?

Der Urenkel von Matthias Claudius, nämlich der 1878 geborene Hermann Claudius, hat einen literarischen Text namens „Holstein“ über die Haseldorfer Marsch geschrieben. Hier ein Auszug:

„Wie bei Haseldorf die Elbe und hinunter bis nach Kollmar; weithin strecken sich die Marschen, grau und grün. Du gehst längs Gräben. Weidenstümpfe heben gnomenhaft ihre dicken Wuschelköpfe. Kühe starren, breitgebuchtet, wollen keinen Schritt vom Wege. Und du gehst, und immer Gräben. Frösche hüpfen und dort drüben mit Grandezza stelzt der Storch hin - bis auf einmal dir vor Augen öffnet sich das weite Wasser, und der Strom schiebt sich gen Westen….“

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